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Peter Scholl-Latour,
Kampf dem Terror -
Kampf dem Islam? Ullstein Verlag, Berlin 2004. |
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Dieses Buch Peter
Scholl-Latours erschien erstmals im Jahr 2002, also ein Jahr nach „9/11“.
Thema ist der Kampf gegen den Terrorismus, dem militanten Islamismus und
dem Wettstreit um Ölressourcen des Nahen und Mittleren Ostens. Welchen Sinn macht es, dieses Buch heute noch zu lesen, wo die politische Drehscheibe in den letzten 7 Jahren doch beschleunigt rotiert hat? Diese Frage beantwortet sich
bereits nach der Lektüre des ersten Abschnitts. Die neue amerikanische
Führung unter Präsident Barack Obama hat beschlossen, den Kampf um
Afghanistan zu verstärken, indem die Truppenpräsenz dort vergrößert wird.
Der afghanische Präsident Karzai, im eigenen Land als Verräter gehandelt,
steht an der Spitze eines Staates, dessen Lebensform uns fremder nicht
sein könnte. Der weiter von jeder Form der Demokratie entfernt ist, als es
sich die westliche Menschheit überhaupt nur denken kann. Der durch
Partisanenkämpfe gegeneinander, Korruption und Stammesfehden völlig
unregierbar ist. Irak im Februar/März 2002 am Vorabend des Krieges (der Operation, wie der offizielle terminus technicus lautet) „Iraqi Freedom“: Mit malerischen Worten beschwört Peter Scholl-Latour die blühenden Landschaften des Stammvaters der Israeliten und Ismaeliten Abrahams/Ibrahims herauf, die zauberhaften Städte vergangener Epochen, deren kümmerliche Reste noch heute hier und da durchschimmern. Im nächsten Atemzug wird der Leser mit der grausamen Wirklichkeit eines zerrissenen, zerbombten Landes konfrontiert. Präsident Bush bescheinigt der Autor eine „kaum begreifliche intellektuelle Fehlleistung“ indem dieser mit seiner „Achse des Bösen“ zwei Staaten – Iran und Irak – in eine Zwangssolidarität hinein presst, die den beiden Erzfeinden aus tiefster Seele zuwider sein muss. Der Irak ist innerlich zerrissen durch jahrhundertealte Erzfeindschaft zwischen Schiiten und Sunniten, zusätzlich mit nach Autonomie strebenden Kurden belastet, isoliert in der arabischen Welt. Unvorstellbar grausame Auseinandersetzungen mit dem Iran, Verrat, Korruption, Aggression und Misstrauen von allen Seiten. Und in diesem Land will die Bush-Administration einen Leuchtturm der Demokratie errichten. Dieser dürfte auf sehr tönernen Füssen stehen, so er denn überhaupt aus der Asche eines zerstörten Landes über die Grundmauern hinaus gebaut werden könnte. Juni 2002 in Israel: gibt es Aussichten, den Konflikt zwischen Palästina und Israel zu lösen? Peter Scholl-Latour spricht mit Repräsentanten des Libanon, der PLO, der Hamas, besucht sowohl gefährliche als auch geschichtsträchtige Orte in Israel und stellt wie immer fundierte und eindringliche Betrachtungen über ein mögliches Miteinander zweier Staaten an. Die Lage Israels inmitten einer zutiefst feindlichen Umgebung ist nicht eben einfach, schon gar nicht stabil. Die Zukunftsaussichten eher düster. Peter Scholl-Latour wagt einen Blick in die Zukunft und wie schon so oft gibt ihm die Gegenwart Recht. Sehr interessant sind die detailliert beschriebenen Verknüpfungen Israels mit Amerika, das ja zu der Zeit noch unter der Führung eines „von Gott gerufenen und geleiteten“ Präsidenten steht. Einer der interessantesten
Aspekte der Schilderungen des Zeitgeschehens ist bei Peter Scholl-Latour
immer wieder der Versuch des Aufspürens neuer Strömungen und Deutungen des
Kommenden. Und sehr oft bewahrheiten sich seine Prognosen in erstaunlicher
Weise. Usbekistan verkündete am 31. August 1991 seine Unabhängigkeit. Wer kennt die Geschichte, die Wurzeln dieses Landes? Dieses ganzen Gebietes, das die „Reststaaten“ der zerfallenen Sowjetunion umfasst? Peter Scholl-Latour erzählt sie mit gewohnt tiefgreifendem, jedem Leser Hochachtung abringenden Wissen. Heute hat eine orientalisch gefärbte Despotie den Marxismus-Leninismus abgelöst. Die ehemaligen Teilrepubliken der Sowjetunion wie auch der Kaukasus gelten zur Zeit als zuverlässige und begünstigte Partner der freien Welt, und doch werden in allen Ländern die heiligsten Prinzipien der Vereinten Nationen – Demokratie, Meinungsfreiheit, politischer Pluralismus und Toleranz – mit Füßen getreten. Der Islamismus mit all seinen kaum bekannten Facetten agiert zunehmend erstarkend im Untergrund. Spannungen und Krisen, auch und vor allem kriegerische Auseinandersetzungen sind vorprogrammiert. 2002 beschreibt der Autor düstere Perspektiven – der Südossetien/Georgien-Konflikt gab ihm einmal mehr Recht. Es wird nicht der letzte Konflikt bleiben. Die ausgefeilte Sprache, die oftmals spitze Ironie, der immer wieder aufblitzende Humor und vor allem das tiefgründige Wissen machen das Buch zu einem intensiven Lesevergnügen, wobei die Fülle an Informationen kaum zu verarbeiten ist. Jeder Leser, der Interesse an einer globalen Weltbetrachtung hat und internationale Verknüpfungen verstehen möchte, sollte sich mit dieser Lektüre auseinandersetzen. Birgitt Thomas
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